Meine Iranische Kusine und der Tanz

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Ich bin immer noch so unglaublich stolz auf meine große Kusine Laleh! Sie durfte im türkischen Fernsehen einen kaukasischen Volkstanz aufführen.

Warum das so beachtenswert ist? Nun, ihr müsst wissen, dass sie eigentlich im Iran lebt und arbeitet. Dort ist sie schon beinah ihr ganzes Leben Tänzerin und Lehrerin einheimischer Volkstänze. Leider erlaubten die strengen Beschränkungen der Regierung nie, dass sie dort so richtig mit ihrer Karriere abheben konnte. Im Iran dürfen Frauen nicht in der Öffentlichkeit tanzen. So können professionelle Tänzerinnen nur private Aufträge für Auftritte auf Festen und Hochzeiten annehmen. Die meisten verdienen ihr Geld deshalb hauptsächlich als Lehrerinnen. Zum Glück sind Iraner davon besessen, den Körper zu musikalischen Klängen zu bewegen, also sieht die Auftragslage gar nicht so schlecht aus. Gerade in meiner Heimat, im aserbaidschanischen Norden, schicken Mütter gerne ihre Kinder zum Unterricht der traditionellen Tänze, damit sie bei Festen mit den komplizierten und eindrucksvollen Bewegungen vor der Verwandtschaft auftrumpfen können.

Mittlerweile ist aus dem vereinzelten Privatunterricht eine regelrechte Schattenwirtschaft aus mehr oder weniger geheimen Tanzschulen hervorgegangen. In der gemütlichen Atmosphäre iranischer Wohnungen lernen die jungen Menschen Schritte, während Mütter nebenan bei Tee und Kekse wartend Platz nehmen. Von klandestiner Stimmung keine Spur… und doch, obwohl diese Kunstform genossen wird und in der Bevölkerung Anerkennung erfährt, haftet professionellen Tänzern, vor allem weiblichen, in der konservativen Kultur des Irans immer noch etwas dubioses an.

Glücklicherweise verhalten sich einige der Nachbarländer mittlerweile fortschrittlicher und bieten Künstlern bessere Möglichkeiten. Es ist heute für Iraner einfacher zu reisen, meine Kusine beispielsweise wurde bereits für Festivals und ähnliches in die Türkei eingeladen. Und jetzt, im Herbst ihrer Karriere, kann ich sie endlich im Fernsehen bewundern.

Sie performt hier zu einem alten Volkslied, dass von der Liebe eines muslimischen Mannes zu einer Christin und seiner Trauer über ihre Unerreichbarkeit handelt… soweit eine klassische Liebesstory.

Im Iran gibt es eine Reihe von Volkstänzen. Im Norden, in den aserbaidschanischen Gebieten herrschen die kaukasischen Tänze vor. Die Männer bewegen sich dabei in Kosakenuniformen gekleidet kraftvoll und schnell (mit Spagat in der Luft und manchmal in kampfesgleichen Choreografien). Während bei den Frauen elegante, fließende Haltungen zählen. Bei beiden Geschlechtern ist wichtig, dass alle Choreografien auf den Fußspitzen ausgeführt werden. Kommt euch das bekannt vor? Genau, die Tänze wirken wie eine ursprüngliche Form des Balletts.

So und jetzt viel Spaß mit dem Clip. Leider hat der Upload nicht die beste Qualität. Aber es geht mir ja vor allem darum, dass ihr einen Blick auf eine Frau werft, die politischer Repression mit Tanz begegnet. Wahnsinn, oder? Sie gehört zu den Menschen, die mit simpler Kulturpflege, dem Frauenbild der iranischen Regierung als braven, gesichtslosen und vereinheitlichten Ideal entgegenwirken.

Frauen treten in vielen Kulturen als Bewahrerinnen von Traditionen auf. Natürlich haben sie für ihr Wissen keine klassische Lehre vollzogen, oder einen Universitätsabschluss erlangt, dennoch ist ihr Beitrag essentiell für die Gesellschaft. Wir sollten uns da definitiv untereinander Anerkennung zollen und nicht in Versuchung geraten auf Berufe mit körperlichem Einsatz oder Heimarbeit herabzublicken.

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